Stellungnahme durch die Verwaltung zu neuen Baugebieten in Holt und Herongen

Anfrage der Freien Wähler: Das zuständige Dezernat möchte bitte zu den von der CDU vorgeschlagenen Neubauflächen in Holt und Herongen eine Stellungnahme bzw. Bewertung abgeben, ob diese dem Stadtleitbild und dem Stadtentwicklungskonzept entsprechen oder gar zu widerlaufen. Außerdem bitten wir um eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile für diese beiden Neubauflächen.

Stellungnahme der Verwaltung: Anfrage der Fraktion FW – Bürger für Straelen auf Stellungnahme der Verwaltung vom 10.12.2014 zu TOP 10: Ausweisung von Neubaugebieten (Rat der Stadt Straelen / Sitzung am 18.12.2014)

Fläche in Auwel-Holt

Das Leitbild der Stadt Straelen macht zu einer Flächenentwicklung in Auwel-Holt keine direkten Aussagen. Als übergeordnetes Ziel gilt jedoch „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, d.h., die vorrangige Entwicklung der Innenbereiche in den geschlossenen Lagen der größeren Ortsteile Straelen-Stadt und Herongen. Die bauliche Entwicklung in Auwel-Holt würde sich entsprechend auf punktuelle Einzelmaßnahmen beschränken (privilegierte Vorhaben, Lückenschluss etc.).

Das 2013 beschlossene Stadtentwicklungskonzept (StEK) geht unverändert von der Zielrichtung „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ aus (S. 86, Ziel 4.1.). Die als Holter Dreieck“ bekannte Fläche steht gemäß StEK eindeutig im Widerspruch zum Leitbild der Stadt. Von einer Innenerschließung der Fläche wird ausdrücklich abgeraten (StEK, S. 118).

Die nun beschlossene Fläche ist im Flächennutzungsplan als Mischgebiet ausgewiesen. Die Wohnraumbedarfsanalyse der Fa. Empirica enthält aufgrund der Größe von Auwel-Holt und dem Maßstab vorhandener Datengrundlagen keine dezidierte Aussage zu Auwel-Holt.

Die Verwaltung hat in der Vorlage XV/2014-147V (AfStPBU vom 2.12.2014) dargelegt, dass mit Blick auf eine sinnvolle Siedlungsentwicklung die Verdichtung um die zentrale Ortslage von Auwel-Holt sinnvoller erscheint als die Bebauung der eher randständigen Lage im Holter Dreieck.

Es wird darauf hingewiesen, dass ortsansässige Bürgerinnen und Bürger nicht in der Lage seien, Bauland in Auwel-Holt zu erwerben. Vor diesem Hintergrund könnte es jedoch zielführender sein, statt einer offenen Angebotsplanung auf zufällig verfügbaren Flächen eine abgestimmte Einzelfallentwicklung einzuleiten. Dies erfordere zwar einen intensiveren Abstimmungsprozess, böte aber gegenüber einer reinen Angebotsplanung mehr Möglichkeiten für eine höherwertige Siedlungsentwicklung und individuelle Bauherrenwünsche.

Fläche in Herongen

Das Leitbild der Stadt Straelen macht zu einer Flächenentwicklung in Herongen keine direkten Aussagen. Als übergeordnetes Ziel gilt jedoch „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ d.h. die vorrangige Entwicklung der Innenbereiche in den geschlossenen Lagen der größeren Ortsteile, sprich Straelen-Stadt und Herongen. Ausweisungen neuer Flächen außerhalb der Innenbereiche sollen gemäß Leitbild vermieden werden, um den wertvollen Außenbereich zu schützen. Die bauliche Entwicklung in den anderen kleinen Ortsteilen würde sich entsprechend auf punktuelle Einzelmaßnahmen beschränken (privilegierte Vorhaben, Lückenschluss etc.).

Das 2013 beschlossene Stadtentwicklungskonzept (StEK) geht unverändert von der Zielrichtung „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ aus (S. 86, Ziel 4.1.). Herongen wir ausdrücklich als Entwicklungsbereich genannt. Dort geht es aber weiterhin um die Entwicklung des geschlossenen Siedlungsbereichs. Vorgeschlagene Ausweisungen im Norden wurden mit Blick auf die Geruchsbelästigung durch die Kläranlage nicht in das Konzept übernommen (StEK, S. 117). Aus siedlungsplanerischer Sicht wäre es gemäß Stadtentwicklungskonzept sinnvoller, im Süden entlang der Leuther Straße das Siedlungsgebiet zu arrondieren. Ein Hindernis wäre natürlich die Lärmbelastung durch die A40, der mit einem entsprechenden Lärmschutz begegnet werden müsste. Die nunmehr beschlossene Fläche war nicht Gegenstand der planerischen Überlegungen, käme aber ohne einen solchen Lärmschutz aus.

Gemäß Baulückenkataster sind in Herongen Baulücken für etwa 60 bis 80 Wohneinheiten verzeichnet. Mit Blick auf das Ziel von Land und Bund, den Flächenverbrauch zu  reduzieren, ist es daher geboten, vor der Ausweisung neuer Flächen diese Baulücken zu schließen.

Die nun beschlossene Fläche ist im Flächennutzungsplan als Außenbereich/Fläche für die Landwirtschaft gekennzeichnet. Eine Bebauung wäre erst nach Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines Bebauungsplans oder einer anderen geeigneten Satzung möglich.

Die damit verbundene Ausweisung neuer Flächen im FNP setzt voraus, dass an anderer Stelle – möglichst in Herongen – Wohnbauflächen aufgegeben werden müssen.

Die Wohnraumbedarfsanalyse der Fa. Empirica enthält Aussagen und Kennzahlen zur Immobilien- und Baulandsituation und –entwicklung in Herongen. Daraus lässt sich ableiten, dass in der gesamtstädtischen Sicht eine größere Ausweisung von Neubauflächen in Herongen, noch dazu im Außenbereich, derzeit nicht vorrangig zu betrachten ist. Ungeachtet dessen ist es in Herongen aber weiterhin möglich und geboten, die bestehenden Bauplätze beizubehalten.

Protokoll der Werkstatt Runde 2 am 29.02.2012: Entwicklung Auwel-Holt; Bezüglich der Entwicklungsperspektiven dieser Dorfgemeinschaft bildet sich in der Werkstatt ein konträres Bild heraus: Während überwiegend die Meinung formuliert wurde, dass die Dorfgemeinschaft Auwel-Holt kein durch neue Wohngebietsausweisungen begründetes Wachstum erfahren solle, um den Bestand sozialer Infrastrukturen künstlich zu sichern, gab es ein klar formuliertes Einzelvotum für die Entwicklung des Baugebietes „Holter Dreieck“, einer rd. 7 ha großen Entwicklungsfläche südlich der Holter Straße.

Fazit: Der Antrag der CDU war zumindest nicht mit dem zuständigen Baudezernat abgestimmt (dass der Bürgermeister involviert war, ist zu vermuten) und die CDU hält trotz der Gegenteiligen Stellungnahme der Verwaltung daran fest, in Holt und Herongen neue Baugebiete auszuweisen. Dass es sich teilweise noch in Privatbesitz befindliche Ackerfläche handelt, scheint ebenfalls nicht zu stören.

Da der Bürgermeister in der betreffenden Sitzung des Rates FÜR den Antrag gestimmt hat, agiert er augenscheinlich gegen den Rat seiner eigenen Verwaltung.

Über Michael Traurig

Mitglied im Rat der Stadt Straelen, Vorsitzender der Fraktion - Bürger für Straelen und der Freien Wähler - Bürger für Straelen e.V.
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